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Aphasie

A) Was bedeutet Aphasie?

Eine Aphasie ist eine Sprachstörung, die nach Abschluss des Spracherwerbs aufgrund einer Hirnschädigung auftritt. In der Regel sind alle Modalitäten der Sprache betroffen: das Sprechen, das Verstehen, das Lesen und das Schreiben. Die Auftretenshäufigkeit einer Aphasie liegt bei 1-2 Promille der Bevölkerung

Das aus dem Griechischen abgeleitete Wort Aphasie heißt wörtlich übersetzt fehlende Sprache. In der Regel liegt bei einer Aphasie jedoch kein kompletter Sprachverlust vor. Je nach Ort und Ausmaß der Hirnschädigung ist die Sprachstörung mehr oder weniger schwer. Verursacht werden Aphasien durch Läsionen der Sprachzentren, die bei den meisten Menschen in der linken Großhirnhälfte liegen.

B) Ursachen


Schlaganfälle sind die häufigste Ursache einer Aphasie (etwa 70-80%). Bei etwa 30% der Patienten mit Schlaganfall tritt eine aphasische Störung auf. Weitere Ursachen sind Hirnverletzungen (Schädelhirntraumata), Hirntumore, entzündliche Prozesse, hypoxische Schädigungen oder Hirnabbauprozesse (primär-progediente Aphasien).

Aphasie ist eine Sprachstörung, in der Regel keine Denkstörung! Das vorsprachliche Denken und Fühlen ist nicht betroffen.

C) Begleitsymptome

Aphasiker können logisch denken, Situationen richtig erfassen und beurteilen.

Nicht selten erschweren jedoch Begleitsymptome sprachlicher und nichtsprachlicher Art die Kommunikation zusätzlich. Mögliche Begleiterscheinungen einer Aphasie sind:

  • Schluckstörungen (Dysphagien)
  • Sprechstörungen (Dysarthrien, Sprechapraxien)
  • Halbseitige Gesichtslähmungen (Facialisparese)
  • Halbseitige Lähmung des Körpers (Hemiparese)
  • Gesichtsfeldeinschränkung (Hemianopsie)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Störung der Planung und Ausführung von Handlungen (Apraxien)
  • Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Beeinträchtigung der Merkfähigkeit
  • Beeinträchtigung der räumlichen Orientierung
  • Veränderung des Antriebs
  • Rechenstörungen (Dyskalkulien)
  • Gefühlsschwankungen
  • Depressionen
  • Krampfanfälle (epileptische Krampfanfälle)

 

 

D) Verlauf einer Aphasie

Akutphase, postakute Phase und chronische Phase

Ob sich eine Aphasie wieder vollständig zurückbildet oder ob sie weiterhin bestehen bleibt, hängt davon ab, wie groß die Schädigungen im Gehirn sind und wo genau sie liegen.

In den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Ereignis, in der sog. Akutphase, zeigen die aphasischen Symptome kein stabiles Muster. Veränderungen der jeweiligen sprachlichen Symptomatik sind sehr häufig. Diese Instabilität wird verursacht durch neurophysiologische Prozesse im Gehirn. Eine Zuweisung zu Syndromen ist in der Akutphase wenig sinnvoll bzw. gar nicht möglich. Eine Aphasiediagnostik in der Akutphase gestaltet sich nicht nur wegen der häufig stark fluktuierenden sprachlichen Leistungen schwierig: Häufig zeigen die Betroffenen Vigilanzschwankungen (Schwankungen bezüglich der Wachheit) und sind nur gering belastbar. Zusätzlich können Affektlabilität, Apraxien, Antriebsmangel, Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörungen bestehen. Bei einigen Patienten ist in den ersten Tagen ein Mutismus zu beobachten, das heißt die Betroffenen geben keine verbalen Äußerungen von sich.

Ob lediglich eine temporäre Beeinträchtigung besteht oder ob dauerhafte sprachliche Defizite bestehen, lässt sich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

In der postakuten Phase (ca. sechs Wochen bis sechs Monate nach dem Ereignis) sind weiterhin Spontanremissionen möglich, diese nehmen jedoch immer mehr ab. Stattdessen bildet sich ein relativ stabiles Muster an sprachlichen Symptomen. Für die Betroffenen und deren Angehörige heißt das, erkennen zu müssen, dass sie mit der Aphasie leben müssen.

In der chronischen Phase (nach sechs bis zwölf Monaten) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Symptome dauerhaft bleiben, deutlich an. Eine Neuorientierung bezüglich verschiedener Aktivitäten, Interessen oder Hobbies kann erforderlich sein. Durch die Einbindung in eine Aphasie-Selbsthilfegruppe wird dies deutlich einfacher.

In der Akutphase sind die aphasischen Symptome sehr variabel und schwanken in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand.

E) Kommunikationsregeln

Umgang mit Aphasikern

  • Lassen Sie dem Betroffenen Zeit beim Sprechen. Vermeiden Sie störende Hintergrundgeräusche indem Sie zum Beispiel Radio und Fernseher ausschalten.
  • Sie müssen nicht lauter als zuvor sprechen. Der Aphasiker hat keine Hörstörung.
  • Aphasische Personen sind nicht geistig behindert!
  • Wenn das Sprachverständnis eingeschränkt ist, ist es sinnvoll, kurze, einfache Sätze zu verwenden. Vermeiden Sie jedoch Kindersprache oder Telegrammstil. Ergänzen Sie durch Mimik, Gestik oder Aufschreiben ihre Mitteilung.
  • Wiederholen Sie gegebenenfalls Ihre Äußerung durch Umformulierung. Führen Sie verständnissichernde Maßnahmen durch: „Meintest Du, dass…?“
  • Blickkontakt zwischen den Gesprächspartnern ermöglicht, dass auch Körperhaltung, Gestik, Mimik, Blickverhalten als zusätzliche Kommunikationsmittel eingesetzt werden können.
  • Auch wenn der Aphasiker nach Wörtern sucht oder das Gesagte nicht sofort verstanden wird, ist es sinnvoll, nicht ständig zu unterbrechen oder „das Wort aus dem Mund zu nehmen“. Greifen Sie erst dann ein, wenn Ihnen signalisiert wird, dass Hilfe benötigt wird.
  • Fordern Sie Ihren Angehörigen nicht zum korrekten Nachsprechen auf.
  • Verbessern Sie auftretende Fehler nicht ständig, das verstärkt die Unsicherheit des Aphasikers. Korrekturen von Fehlern sollten nur auf Wunsch des Betroffenen erfolgen. Es kommt auf den Inhalt des Gesagten an, nicht auf die korrekte Form.
  • Behandeln Sie den Aphasiker als Erwachsenen und übernehmen Sie in einer Gesprächsrunde nicht die Sprecherrolle für ihn, sondern beziehen Sie ihn in das Gespräch mit ein. Kommunizieren Sie mit dem Aphasiker, nicht für den Aphasiker! Unterstützen Sie Sprechversuche. Bei Wortfindungsstörungen kann die Anlautvorgabe oder Vorgabe der ersten Silbe des gesuchten Wortes nützlich sein.
  • Falls es Ihnen nicht gelingt, die Mitteilung des Aphasikers zu verstehen, versuchen Sie durch Fragen oder Vorschläge herauszufinden, was er meint.
  • Täuschen Sie nicht vor, alles verstanden zu haben, wenn dies nicht der Fall ist. Geben Sie dem Aphasiker Rückmeldung, was für Sie verständlich war und was nicht.
  • Gelingt es dem Aphasiker dennoch nicht, seinen Gedanken zu formulieren, so schlagen Sie vor, es später noch einmal in Ruhe zu probieren.
  • Ermuntern Sie den Betroffenen kurze Texte oder zumindest Überschriften z.B. in einer Zeitung zu lesen. Beachten Sie: Ständiges Vorsprechen von Buchstaben und Wörtern hat nicht zur Folge, dass das Lesen des Betroffenen besser wird.
  • Unterstützen Sie den Betroffenen in seiner Selbständigkeit. Gibt es Hobbies, die er jetzt noch ausführen kann? Binden Sie ihn in Alltagsverrichtungen ein. Wenden Sie sich an eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe um sich Unterstützung zu holen und um sich mit anderen Menschen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind.
  • Gehen Sie dennoch Ihren eigenen Interessen nach und bewahren Sie sich einen Freiraum. Der Aphasiker braucht einen stabilen Partner. Klären Sie Verwandte, Freunde und Bekannte über die aphasische Störung Ihres Angehörigen auf.